
Fotofreunde Hilpoltstein erkunden das ehemalige Hefewerk in Nürnberg-Buch
Am 25. August 2026 wurde aus einem ganz besonderen Fotowalk eine Reise durch rund 170 Jahre Industriegeschichte: Die Fotofreunde Hilpoltstein waren zu Gast auf dem Gelände des ehemaligen Hefewerks „Beim Bast“ in Nürnberg-Buch.
Wo einst Backhefe produziert wurde, herrscht heute eine ganz eigene Atmosphäre. Zwischen Backsteinfassaden, alten Maschinen, Rohrleitungen, Tanks und hohen Hallen scheint die Zeit stehen geblieben zu sein. Für die engagierte Gruppe von Hobbyfotografen bot sich damit eine außergewöhnliche Gelegenheit, einen Ort fotografisch zu entdecken, der schon bald sein Gesicht grundlegend verändern wird.
Zwischen Kantine, Kesselhaus und Produktion
Mit Kameras im Gepäck ging es zunächst durch die ehemaligen Bereiche der Werkskantine. Hier erzählten Räume, Details und Spuren an Wänden und Türen noch von einem Arbeitsalltag, der über Generationen zum Leben in Buch gehörte.
Besonders eindrucksvoll war anschließend das Kesselhaus. Die imposante Backsteinarchitektur, die hohen Fenster und die industrielle Konstruktion erzeugen eine beinahe sakrale Wirkung. Kein Wunder, dass das Kesselhaus bei früheren Besichtigungen auch schon als „Kathedrale der Hefeproduktion“ bezeichnet wurde.
Auch die ehemaligen Produktionsbereiche wurden zum fotografischen Spielfeld. Rohre, Stahlkonstruktionen, Licht und Schatten, Gebrauchsspuren und die Dimensionen der Industrieanlagen boten unzählige Motive. Gerade der Kontrast zwischen der einst hochmodernen Produktionsstätte und dem heutigen Zustand machte den besonderen Reiz des Fotowalks aus.
Für die Fotofreunde bedeutete das: Augen auf, Perspektive suchen und sich Zeit lassen. Mal waren es große architektonische Strukturen, mal kleine Details, die Geschichten erzählten.
1855 begann die Geschichte
Die Geschichte des Ortes reicht weit zurück. 1855 gründete Johann Michael Bast in Buch ein Backhefewerk, das sich über die Jahrzehnte zu einem prägenden Industriebetrieb des Nürnberger Nordens entwickelte. Der Name des heutigen Quartiers erinnert noch immer an den Gründer.
Die ältesten erhaltenen Gebäude stammen sogar aus der Gründungszeit. Dazu gehören das 1855 errichtete ehemalige Wohn- und Verwaltungsgebäude an der Bucher Hauptstraße 55 und das benachbarte Magazin. Weitere markante Bauten kamen später hinzu. Das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege führt unter anderem das Kesselhaus von 1935 sowie die Werkstatt und Schmiede von 1936 als Bestandteile des denkmalgeschützten Ensembles auf.
Aus der ursprünglichen Bast AG entwickelte sich im Laufe der Zeit ein bedeutender Hefebetrieb. 1970 erfolgte die Fusion mit den Deutschen Hefewerken in Hamburg. Später wechselte das Unternehmen mehrfach den Eigentümer. Bis zuletzt blieb Buch jedoch ein wichtiger Standort der deutschen Backhefeproduktion.
Nach rund 160 Jahren Produktionsgeschichte war schließlich Schluss: Am 30. April 2022 wurde die Produktion in Nürnberg-Buch eingestellt. Die Herstellung wurde an andere Standorte verlagert.
Damit endete eine Ära – und gleichzeitig begann eine neue Geschichte für das Gelände.
Vom Industriestandort zur neuen Ortsmitte
Heute trägt das Areal den Namen „Beim Bast“. Dahinter steht die Idee, die industrielle Vergangenheit nicht einfach verschwinden zu lassen, sondern sie zum Ausgangspunkt für etwas Neues zu machen.
Auf rund zehn Hektar soll in Buch Süd ein neues Stadtquartier entstehen. Die denkmalgeschützten Gebäude – insbesondere das ortsbildprägende Produktionsgebäude und der hohe Schornstein – sollen erhalten und in die neue Entwicklung integriert werden.
Geplant ist ein lebendiges Quartier mit Wohnungen, Gewerbe, Gastronomie und kulturellen Angeboten. Vorgesehen sind außerdem eine Grundschule mit Hort, zwei Kindertageseinrichtungen, Spiel- und Freiflächen sowie umfangreiche Grünbereiche. Rund 1.270 Menschen sollen nach den aktuellen Planungen im neuen Quartier leben.
Besonders spannend: Der industrielle Charakter des Kernareals soll zumindest teilweise erhalten bleiben. Vorgesehen sind unter anderem Nutzungen aus den Bereichen Ernährung und Lebensmittel, Forschung und Entwicklung, Handel, Handwerk und Gastronomie. Das ehemalige Hefewerk soll damit nicht nur Denkmal, sondern wieder ein lebendiger Teil des Stadtteils werden.
Ein Ort zwischen Vergangenheit und Zukunft
Für die Fotofreunde Hilpoltstein war der Besuch deshalb mehr als ein klassischer Fotowalk. Die Kameras hielten einen Moment fest, in dem sich Geschichte und Zukunft unmittelbar begegnen.
Noch sind die Spuren des alten Hefewerks sichtbar: die Architektur, die Technik, die Räume und die Patina vergangener Jahrzehnte. Gleichzeitig ist bereits erkennbar, dass sich dieser Ort verändern wird.
Gerade darin lag der besondere fotografische Reiz dieses Nachmittags: Wir fotografierten nicht einfach einen verlassenen Industriebau, sondern einen Ort im Übergang.
Die Fotofreunde Hilpoltstein konnten so ihre ganz eigene Sicht auf das ehemalige Hefewerk festhalten – bevor aus dem alten Industriestandort Schritt für Schritt die neue Mitte von Buch wird.
Und vielleicht wird man beim späteren Blick auf die entstandenen Bilder genau das erkennen: den Augenblick, in dem „Beim Bast“ noch Vergangenheit war – und Zukunft bereits begonnen hatte.
Für die freundliche Einführung bedanken wir uns auch beim „guten Geist des Hauses“ Gregor Luft.
Quellen: Stadt Nürnberg, Neue Ortsmitte Buch Süd „Beim Bast“; Projektseite Beim BAST;
Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege, Denkmalliste Nürnberg; Lallemand Deutschland, Unternehmensgeschichte; ergänzend Nürnberger Nachrichten/Nürnberger Zeitung.“
Text: Robert Geyer
